Muss ich jedes Jahr den Stromanbieter oder Gasanbieter wechseln?

Wer sich nicht um seine Tarife kümmert zahlt drauf

Immer wieder stellen wir bei der Prüfung der Abrechnungen unserer Neukunden fest, dass bereits in der Vergangenheit ein Anbieter in Eigenregie gewechselt worden ist. Diese Verträge befinden sich dann nicht selten bereits im dritten oder vierten Jahr der Belieferung. Die Diagnose dieser „alten“ Tarife ist einfach und lautet in der Mehrzahl der Fälle: „Zu teuer geworden“ und nicht mehr überprüft. Das ist keines Falls als Vorwurf zu verstehen, sondern durchaus verständlich. Es ist einfach mit dem Aufwand bei der Auswahl des Anbieters zu erklären.

Die Auswahl eines passenden Strom- oder Gasanbieters ist zeitaufwändig und oft ist es gar nicht so einfach, bei der schier unendlichen Auswahl den Passenden zu finden, der dann auch einen fairen Tarif anbietet und auch beim zweiten Blick noch den persönlichen Anforderungen standhält.

Je tiefer in die Details der Preisbestandteile und Konditionen eingestiegen wird, allgemeine Geschäftsbedingungen studiert werden und der Wechselprozess angestoßen wird, zusammengefasst also Zeit investiert wurde, desto geringer wird die Bereitschaft das gleiche Spiel nach etwa 9 Monaten erneut zu durchlaufen. Investierte Zeit muss sich auch rechnen.

Die Vertragslaufzeit nicht beachtet

Viele Verträge werden mit einer Mindestvertragslaufzeit abgeschlossen. Das ist auch ok, solange man gleichzeitig auf eine entsprechende Preisgarantie für den gesamten Zeitraum geachtet hat. Innerhalb dieser Vertragslaufzeit ist man dann vor ungeliebten Preiserhöhungen weitestgehend sicher oder hat  mindestens ein Sonderkündigungsrecht. Da ein Wechsel innerhalb der Vertragslaufzeit ohne eine ausgesprochene Preiserhöhung in der Regel nicht möglich ist, ist die Laufzeit des Vertrages ausschlaggebend für den nächsten Wechseltermin. Vergisst man diesen, und überliest versehentlich die angekündigte Preiserhöhung, verspielt man so gerne seine Ersparnis aus dem ersten Jahr. Wie lange ein Vertrag laufen sollte, lässt sich pauschal nicht festlegen und ist abhängig von Angebotsbestandteilen, Garantien und dem eigenen Einsatz den man bereit ist zu leisten. Alles Wissenswerte zum Thema Vertragslaufzeit haben wir im Beitrag:“Welche Laufzeit ist die Beste“ zusammengestellt.

Preisänderunen nach der Erstlaufzeit oder  zum Ende der Preisgarantie

Preissenkungen sind im Energiebereich eher die Seltenheit. Aber auch das kommt gelegentlich vor. Ratsam ist es trotzdem noch einmal zu vergleichen, wie sich der restliche Markt bewegt und ob andere Anbieter ggf. ebenfalls Ihre Preise nach unten angepasst haben. Ist der Preis in Ordnung, ist ein Wechsel nicht notwendig.

In der Regel ist es aber so, dass die Preise sich im Zeitverlauf eher nach oben bewegen. Sollte also in der Abrechnung ein freundlich formulierter Hinweis auf eine Preisänderung enthalten sein, sollten sie  aufmerksam werden. Egal in welche Richtung. Ein wenig versteckt überliest man solche Hinweise auf der letzten Seite leider gerne. Fällt eine Preisänderung nicht mit der Jahresabrechnung zusammen, wird ein separates Schreiben zugestellt. In diesem informiert der Anbieter dann über die neuen Preise. Spätestens jetzt sollten gehandelt werden und der neue Tarif erneut auf den Prüfstand gestellt werden!

Vorsicht ist geboten, wenn gleich zu Beginn des Vertrages – sagen wir mit einer Laufzeit von 24 Monaten- angekündigt wird, dass sich der Preis im zweiten Jahr automatisch erhöht. Hier sollte man mit den spitzen Bleistift an die Berechnung gehen.

Bei Bonuszahlungen immer genau nachrechnen

Bonuszahlungen für einen Energievertrag lohnen sich oft nur im ersten Vertragszeitraum z. B. 12 Monate. Wer länger im gewählten Tarif bleiben möchte, sollte genau nachrechnen. In vielen Fällen zahlt man sonst durch die ggf. zu hohen Preisbestandteile (Arbeitspreis & Grundpreis) den Bonus in der zweiten Periode wieder zurück. Wer hier nicht aufpasst, zahlt ab dem zweiten Jahr kräftig drauf. Worauf man bei Bonuszahlungen achten sollte haben wir in folgendem Beitrag zusammengestellt. (Zum Beitrag:“Achtung bei Bonuszahlungen“ gibt es hier bald einen Link)

Neuer Wohnort? Neues Spiel neues Glück

Den laufenden Energievertrag mit umzuziehen, kann sinnvoll sein, muss es aber nicht. Vor allem beim Wechsel des PLZ-Gebietes ist es sinnvoll, einen Wechsel in betracht zu ziehen. Wechselt man mit einem Umzug das Gebiet des zuständigen Netzbetreibers, kann sich das auf den Strompreis bzw. die zu zahlende Grundgebühr auswirken. Viele Anbieter gewähren bei einem Umzug auch ein Sonderkündigungsrecht. Ändern sich nach dem Umzug die Wohnverhältnisse berücksichtigt man diese Einflüsse.

Aufpassen!: So manch „kundenorientierter“ Stromanbieter schreibt in seine Vertragsbedingungen gerne die Grundgebühr auch bei Umzug fest. Das bedeutet, dass bei einem vorzeitigen Beenden des Vertrages die Grundgebühr weiter zu zahlen ist. – Bewusst schließen wir solche Tarife aus unserem Vertrieb aus!

geänderte Verbraussituationen

Neue Elektrogeräte, Familienzuwachs oder anderweitig veränderte Lebenssituationen haben einen Einfluss auf den Energieverbrauch im Haushalt. Gerade bei neuen Elektrogeräten macht sich das schnell bemerkbar. Immerhin ist der Energieverbrauch der Geräte im Haushalt ein ausschlaggebendes Kriterium für die Kaufentscheidung. Ob der angenommene Verbrauch noch realistisch ist, sollte man daher immer unter die Lupe nehmen. Denn entscheidend für den optimalen Tarif ist der geschätzte Verbrauch und das daraus resultierende Zusammenspiel von Grundpreis zu Arbeitspreis.

Grafik Tarifvergleich
Vergleichsrechnung Tarif mit und ohne Grundpreis

Gerät das aus dem Gleichgewicht, rechnen sich manche Tarife nicht mehr. Beispielsweise können sich Tarife ohne Grundgebühr, damit aber höherem Arbeitspreis für einen kleinen Verbrauch durchaus rechnen. Steigt der Verbrauch an, werden solche Tarife gegenüber anderen mit geringerem Arbeitspreis und berechnetem Grundpreis ab einem gewissen Punkt unwirtschaftlich.

Im abgebildeten Beispiel sieht man gut den Schnittpunkt beider Preismodelle. Je nach Verbrauch rechnet sich entweder das eine oder das andere Preismodell.

Wie kannst Du das vermeiden?

  1. Der wichtigste Punkt zuerst: Lies deine Post!

2. Prüfe jedes Jahr deine Tarife und lese dich vor Abschluss eines Vertrages genau in die  Bedingungen ein.

3. Ein Tarif sollte sich dauerhaft auch ohne Bonus rechnen.

4. AGB lesen! So anstrengend es klingen mag.

5. Kündigungsdatum in den den Kalender eintragen (Kündigungsfrist beachten)

6. Bei Preisanpassungen sofort reagieren und nachrechnen. Ein nett formulierter Text heißt nicht, dass es sich um ein gutes Angebot handelt.

7. Am Telefon niemals ungeprüft „ja“ sagen – lass dir das Angebot das schriftlich zukommen und rechne nach!

Unser Experten-Tipp:

Im besten Fall suchst du dir einen Experten, der sich kontinuierlich mit Tarifen und Konditionen auseinandersetzt. So sparst du Zeit, Nerven und vor allem bares Geld.

 

 

 

 

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